Über Aids gibt es vage Vermutungen
Zwei junge Männer unterstützen den Vaihinger Verein "Kranich - Aids in Afrika"
Täglich sterben 6000 Menschen an Aids. 71 Prozent sind Afrikaner. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist in Kenia von 65 Jahren auf 46 Jahre gesunken. Der Verein "Kranich - Aids in Afrika" hilft an der Basis. Mit Menschen, die sich einsetzen wie Viktor Siebert und Alexandros Kakanis.
VAIHINGEN/FILDERSTADT - Rund zwei Monate ist es her, dass Viktor Siebert und Alexandros Kakanis wieder aus Kenia zurückgekehrt sind. Ganze zwei Wochen haben die Freunde und ehemaligen Schulkameraden gebraucht, um sich wieder in die eigentlich vertraute Umgebung zu Hause einzuleben. "Aber umgekehrt hat es noch länger gedauert", erinnert sich Alexandros Kakanis und ein leichtes Lächeln umspielt seine Mundwinkel, als er sich an die schaukelnden Busse erinnert. Zwölf Stunden sind die beiden 20-jährigen Abiturienten eingepfercht zwischen Hühnern und Ziegen auf der Rückfahrt von Rusinga Island zum Flughafen gesessen. Zeit genug, um die vergangenen sieben Wochen ein klein wenig Revue passieren zu lassen.
Nach ihrem Abitur an der Waldorfschule in Filderstadt träumten Viktor Siebert und Alexandros Kakanis von einem längeren Aufenthalt im Ausland, verbunden mit sozialem Engagement. Viktor Sieberts Mutter wusste Rat und vermittelte den beiden den Kontakt zu ihrer Freundin Elisabeth Marquart. Diese pflegt, gemeinsam mit ihrem Mann Karl-Horst Marquart, seit über 20 Jahren eine Freundschaft mit Dorothy Byaruhanga aus Uganda in Afrika. Gemeinsam konnten sie den Dorffrauen von "Mothers Union" in Kidukuru mit zwölf fußbetriebenen Nähmaschinen aus Deutschland eine sichere Lebensgrundlage schaffen.
Doch dann kam Aids und seit 1992 gibt es im Dorf kein Haus mehr, das nicht von der Seuche betroffen ist. Die Sozialpädagogin und der Arzt aus Vaihingen haben den Verein "Kranich - Aids in Afrika" gegründet. Diesen Namen haben sie gewählt, da der Kranich in verschiedenen Kulturen das Symbol für Liebe, Herzlichkeit und Mitgefühl ist. Der Verein hat sich das zum Ziel gesetzt und will darüber hinaus praktisch tätig sein.
Die Frauen von "Mothers Union" werden wieder aktiv. Sie lassen sich zu dörflichen Aids-Beraterinnen ausbilden, pflegen Kranke, unterstützen diese und deren Angehörigen in ihrer seelischen Not, begleiten Sterbende und sorgen für verstörte Waisenkinder. Denn in Kidukuru gibt es 300 Waisen aus 500 Familien.
"Oft müssen die alten Großeltern ganz allein viele Enkel versorgen", sagt Alexandros Kakanis. Der Filderstädter und sein Freund aus Plieningen haben diese Not vor Ort gesehen. Nicht in Kidukuru, sondern auf Rusinga Island, einer Insel im Viktoria See mit 20 000 Bewohnern, von denen rund 45 Prozent an Aids erkrankt sind.
Hier, bei den Kibisom-Frauen, die ebenfalls Aids-Verhütungsprojekte durchführen und deren Name so viel bedeutet wie "kommt und lernt", haben sie viel neues erfahren, aber auch selbst Wissen weitergegeben. "Man lebt dort viel naturgebundener", erzählt Alexandros Kakanis "Abends um sieben ist es bereits stockdunkel, also sind wir meist schon um neun Uhr ins Bett gegangen und dafür morgens um sechs Uhr aufgestanden".
Dann haben sie auf der Insel mit ihren siebzehn Grund- sowie drei weiterführenden Schulen unterrichtet. Die Grundschulen, die die Kinder bis zur achten Klasse besuchen sind auf Rusinga Island kostenfrei. Eine kostenpflichtige weiterführende Schule besuchen dagegen nur Wenige. An einer solchen Schule, an der zehn Lehrer 400 Schüler unterrichten, lehrten Viktor Siebert und Alexandros Kakanis neben Mathe und Englisch aus einem Handbuch der kenianischen Regierung die Symptomatik von Aids und wie Patienten behandelt werden müssen. "Aber am allerwichtigsten ist der Unterricht in Sachen Prävention", sagt Viktor Siebert. "Damit die Verantwortung des einzelnen gesteigert und Aids ernster genommen wird." Denn das übergeordnete Ziel von Kranich sei es, neue Aids-Infektionen zu verhindern.
Weil aber Aids eine sexuell übertragbare Krankheit ist, werde sie verheimlicht, geleugnet und als peinlich empfunden. Besonders Jugendliche würden sich davor scheuen, öffentliche Beratungszentren aufzusuchen.
Ihre vagen Informationen erhalten sie von Gleichaltrigen. Hier setzt Kranich an. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Sex wird in den Projektgruppen gelehrt, weshalb deren Motto heißt: "No condom, no sex", ohne Kondom kein Sex.
Auch wenn die jugendlichen Schüler von Alexandros Kakanis und Viktor Siebert beim Aufklärungsunterricht mit den Kondomen, die später verteilt wurden, oft kicherten, glauben die beiden dennoch, dass es was gebracht hat. "Die Fragen, die die Schüler gestellt haben, haben ein ernsthaftes Interesse gezeigt", sagt Viktor Siebert.
Auch über Deutschland haben sie den beiden Aushilfslehrern wahre Löcher in den Bauch gefragt.
"Einer wollte wissen, ob man im Schnee erfriert", erinnert sich Alexandros Kakanis und lacht.
Aber auch bei den Kleinen in den zwei Projekt-Kindergärten von Kibisom, den viele Aids-Waisen besuchen, die hier oft ihre einzige warme Mahlzeit am Tag bekommen, waren die beiden beliebt. Bauten sie doch Spielgeräte wie Schaukeln für sie.
"Die Projekte in Uganda und Kenia von Kranich sind gut, weil sie an der Basis arbeiten", zieht Viktor Siebert Resumée. Möglich werden diese durch Spenden von Privatpersonen und Gruppen sowie verschiedener Stiftungen.
Alexandros Kakanis und Viktor Siebert wollen die Erfahrung in Kenia nicht missen: "Viele Probleme, die man in Deutschland hat, relativieren sich und man nimmt nicht mehr alles selbstverständlich." de
Info: Wer persönlich oder mit einer Spende helfen möchte, wendet sich an Familie Marquart unter Telefon 07 11/ 7 35 25 74.
Zwei junge Männer unterstützen den Vaihinger Verein "Kranich - Aids in Afrika"
Täglich sterben 6000 Menschen an Aids. 71 Prozent sind Afrikaner. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist in Kenia von 65 Jahren auf 46 Jahre gesunken. Der Verein "Kranich - Aids in Afrika" hilft an der Basis. Mit Menschen, die sich einsetzen wie Viktor Siebert und Alexandros Kakanis.
VAIHINGEN/FILDERSTADT - Rund zwei Monate ist es her, dass Viktor Siebert und Alexandros Kakanis wieder aus Kenia zurückgekehrt sind. Ganze zwei Wochen haben die Freunde und ehemaligen Schulkameraden gebraucht, um sich wieder in die eigentlich vertraute Umgebung zu Hause einzuleben. "Aber umgekehrt hat es noch länger gedauert", erinnert sich Alexandros Kakanis und ein leichtes Lächeln umspielt seine Mundwinkel, als er sich an die schaukelnden Busse erinnert. Zwölf Stunden sind die beiden 20-jährigen Abiturienten eingepfercht zwischen Hühnern und Ziegen auf der Rückfahrt von Rusinga Island zum Flughafen gesessen. Zeit genug, um die vergangenen sieben Wochen ein klein wenig Revue passieren zu lassen.
Nach ihrem Abitur an der Waldorfschule in Filderstadt träumten Viktor Siebert und Alexandros Kakanis von einem längeren Aufenthalt im Ausland, verbunden mit sozialem Engagement. Viktor Sieberts Mutter wusste Rat und vermittelte den beiden den Kontakt zu ihrer Freundin Elisabeth Marquart. Diese pflegt, gemeinsam mit ihrem Mann Karl-Horst Marquart, seit über 20 Jahren eine Freundschaft mit Dorothy Byaruhanga aus Uganda in Afrika. Gemeinsam konnten sie den Dorffrauen von "Mothers Union" in Kidukuru mit zwölf fußbetriebenen Nähmaschinen aus Deutschland eine sichere Lebensgrundlage schaffen.
Doch dann kam Aids und seit 1992 gibt es im Dorf kein Haus mehr, das nicht von der Seuche betroffen ist. Die Sozialpädagogin und der Arzt aus Vaihingen haben den Verein "Kranich - Aids in Afrika" gegründet. Diesen Namen haben sie gewählt, da der Kranich in verschiedenen Kulturen das Symbol für Liebe, Herzlichkeit und Mitgefühl ist. Der Verein hat sich das zum Ziel gesetzt und will darüber hinaus praktisch tätig sein.
Die Frauen von "Mothers Union" werden wieder aktiv. Sie lassen sich zu dörflichen Aids-Beraterinnen ausbilden, pflegen Kranke, unterstützen diese und deren Angehörigen in ihrer seelischen Not, begleiten Sterbende und sorgen für verstörte Waisenkinder. Denn in Kidukuru gibt es 300 Waisen aus 500 Familien.
"Oft müssen die alten Großeltern ganz allein viele Enkel versorgen", sagt Alexandros Kakanis. Der Filderstädter und sein Freund aus Plieningen haben diese Not vor Ort gesehen. Nicht in Kidukuru, sondern auf Rusinga Island, einer Insel im Viktoria See mit 20 000 Bewohnern, von denen rund 45 Prozent an Aids erkrankt sind.
Hier, bei den Kibisom-Frauen, die ebenfalls Aids-Verhütungsprojekte durchführen und deren Name so viel bedeutet wie "kommt und lernt", haben sie viel neues erfahren, aber auch selbst Wissen weitergegeben. "Man lebt dort viel naturgebundener", erzählt Alexandros Kakanis "Abends um sieben ist es bereits stockdunkel, also sind wir meist schon um neun Uhr ins Bett gegangen und dafür morgens um sechs Uhr aufgestanden".
Dann haben sie auf der Insel mit ihren siebzehn Grund- sowie drei weiterführenden Schulen unterrichtet. Die Grundschulen, die die Kinder bis zur achten Klasse besuchen sind auf Rusinga Island kostenfrei. Eine kostenpflichtige weiterführende Schule besuchen dagegen nur Wenige. An einer solchen Schule, an der zehn Lehrer 400 Schüler unterrichten, lehrten Viktor Siebert und Alexandros Kakanis neben Mathe und Englisch aus einem Handbuch der kenianischen Regierung die Symptomatik von Aids und wie Patienten behandelt werden müssen. "Aber am allerwichtigsten ist der Unterricht in Sachen Prävention", sagt Viktor Siebert. "Damit die Verantwortung des einzelnen gesteigert und Aids ernster genommen wird." Denn das übergeordnete Ziel von Kranich sei es, neue Aids-Infektionen zu verhindern.
Weil aber Aids eine sexuell übertragbare Krankheit ist, werde sie verheimlicht, geleugnet und als peinlich empfunden. Besonders Jugendliche würden sich davor scheuen, öffentliche Beratungszentren aufzusuchen.
Ihre vagen Informationen erhalten sie von Gleichaltrigen. Hier setzt Kranich an. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Sex wird in den Projektgruppen gelehrt, weshalb deren Motto heißt: "No condom, no sex", ohne Kondom kein Sex.
Auch wenn die jugendlichen Schüler von Alexandros Kakanis und Viktor Siebert beim Aufklärungsunterricht mit den Kondomen, die später verteilt wurden, oft kicherten, glauben die beiden dennoch, dass es was gebracht hat. "Die Fragen, die die Schüler gestellt haben, haben ein ernsthaftes Interesse gezeigt", sagt Viktor Siebert.
Auch über Deutschland haben sie den beiden Aushilfslehrern wahre Löcher in den Bauch gefragt.
"Einer wollte wissen, ob man im Schnee erfriert", erinnert sich Alexandros Kakanis und lacht.
Aber auch bei den Kleinen in den zwei Projekt-Kindergärten von Kibisom, den viele Aids-Waisen besuchen, die hier oft ihre einzige warme Mahlzeit am Tag bekommen, waren die beiden beliebt. Bauten sie doch Spielgeräte wie Schaukeln für sie.
"Die Projekte in Uganda und Kenia von Kranich sind gut, weil sie an der Basis arbeiten", zieht Viktor Siebert Resumée. Möglich werden diese durch Spenden von Privatpersonen und Gruppen sowie verschiedener Stiftungen.
Alexandros Kakanis und Viktor Siebert wollen die Erfahrung in Kenia nicht missen: "Viele Probleme, die man in Deutschland hat, relativieren sich und man nimmt nicht mehr alles selbstverständlich." de
Info: Wer persönlich oder mit einer Spende helfen möchte, wendet sich an Familie Marquart unter Telefon 07 11/ 7 35 25 74.
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